"ANNI" – das Eichhörnchen

 

Nach einer guten Vorbesprechung mit Manfred Gutermuth und Gerhard Hüfner war es am 02.06.2012 endlich soweit. Ich bekam den Anruf, dass ein Eichhörnchen gefunden wurde.

Bei der Übergabe war ich sehr aufgeregt und gespannt was nun auf mich zukommen würde.

Das Eichhörnchen sollte eigentlich „Manni“ heißen, da Manfred ja die Idee hatte und alles in die Wege geleitet hatte. Da es aber ein Mädchen war, ließen wir das „M“ einfach weg und so wurde es eben eine „Anni“.

 

Anni wog bei der Übergabe gerade mal 94 Gramm, hatte die Augen noch geschlossen, die Ohren lagen noch ganz am Körper an und der Schwanz war ganz glatt, wie bei einer Maus.

Wir bastelten kleine Umhängetäschchen, weil Anni möglichst viel Körpernähe und Wärme brauchte. Und so hatte ich sie auch immer bei mir. Von nun an musste Anni alle 3 Stunden mit Katzenmuttermilch mit der Spritze gefüttert werden. Das hat auch sehr gut geklappt da sie von Anfang an die Spritze mit beiden Händen umklammerte und kräftig saugte. Nach dem Essen bekam sie dann immer noch eine Bauchmassage, da in der Natur die Eichhörnchen-Mamas ihre Babies am Bauch ablecken (massieren) um die Verdauung anzuregen.

 

Direkt am 2. Tag hatte ich das große Glück zu sehen wie Anni, die gerade auf meiner Hand lag, ein Auge aufschlug. Daran konnte ich dann auch feststellen, dass Anni ca. 30 Tage alt sein musste, da Eichhörnchen in diesem Zeitraum üblicherweise die Augen öffnen. Das zweite Auge blieb noch bis zum nächsten Morgen verschlossen. Erst als ich sie dann gerade wieder auf meiner Hand hatte öffnete sie das zweite Auge. Das waren zwei besonders tolle Momente für mich!

 

Am 4. Tag ist meiner Mama aufgefallen, dass Anni beim Krabbeln auf der einen Seite immer wegknickte. Nachdem Gerhard bereits einen Bruch vermutete, ließen wir es durch die Tierärztin nochmal abklären. Und tatsächlich: Anni hatte sich, vermutlich beim Sturz aus dem Kobel, ein Bein gebrochen. Da es aber bereits gut am Verheilen war rechnete die Tierärztin mit einer schnellen und völligen Genesung. Und so war es auch: Bereits kurze Zeit später überraschte uns Anni mit den tollsten akrobatischen Kunststücken.

 

Am 6. Tag war es mit dem vielen Schlafen und Kuscheln schon ein wenig vorbei und sie begann die für sie vorbereitete Voliere zu entdecken.

Auch konnten wir anfangen ihr ein wenig feste Nahrung anzubieten: Apfel, Banane, Zwieback und Haselnuss. Nun hatten sich auch schon ihre Ohren gelöst und der Schwanz wurde buschiger. Sie sah aus wie ein richtiges Eichhörnchen - nur im XS-Format.

Ihre ersten Nahrungsaufnahmeversuche waren sehr lustig, da sie erst lernen musste sich auszubalancieren mit Essen zwischen den Pfötchen. Sie schwankte oft noch und kippte auch einige Male um.

 

Am 9. Tag wog sie bereits 114 Gramm.

 

Im Laufe der Zeit wurde Anni immer fitter, wilder und lustiger.

Wenn man sie aus der Voliere heraus ließ sprang sie einem entgegen, klammerte sich fest und dann flitzte sie um einen herum wie Eichhörnchen das normalerweise bei Baumstämmen machen.

 

Als Anni dann kräftig und fit genug war bekam sie einen Platz auf unserer Terrasse. Dort konnte sie sich erstmal langsam an die Umgebung draußen gewöhnen. Dann durfte sie auch mal raus, wobei sie sich immer in der Nähe aufhielt. Mit der Zeit wurden ihre Ausflüge aber immer länger und weiter. Bis sie schließlich auch ganze Tage wegblieb aber abends völlig erschöpft in ihre Voliere zurückkam um zu futtern und in ihrem Kobel (übrigens eine aufgehängte Mütze) zu schlafen. Eines Tages kam sie dann aber nicht mehr heim. Das war sehr traurig. Aber unser Nachbar, der sie von Anfang an mit beobachtet hatte, berichtete uns, dass sie immer noch in seinem Kirschbaum herumtobt.

 

Die Zeit mit Anni war sehr, sehr schön. Aber man muss auch ganz klar sagen, dass es keine ganz einfache Sache ist. Es ist nur zu machen, wenn man Experten im Hintergrund hat, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn man also ein Eichhörnchen finden sollte, dann sollte man es auf keinen Fall alleine großziehen, sondern sich professionelle Hilfe suchen.

Eichhörnchen sind Wildtiere und das sollten sie auch bleiben!

 

Vielen Dank auch nochmal an unsere Freunde Familie Brück-Feigl, die sich während unseres Urlaubs um Anni gekümmert haben und ihre Tapete zum Teil geopfert haben. Das ist Tierliebe!

 

Mein besonderer Dank geht aber an: Manfred, Gerhard und Ingrid!