Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

 

Selbstbesiedlung

Ein Hummelnistkasten wir in etwa einem Viertel der Fälle von selbst besiedelt.

Drei Aspekte beeinflussen erheblich die Chancen einer Selbstbesiedlung:

Der Nistkasten war bereits im letzten Jahr besetzt:

In vielen Fällen kehren die Nachkommen zurück und besiedeln den Kasten erneut.

Sie sollten dann nichts unternehmen und abwarten.

Blütenangebot: Eine englische Studie erklärt, dass Hummeln freiwillig nur dort vorkommen, wo gleichzeitig gute Bedingungen für einen Nistplatz und für Nahrung vorhanden sind.

Blüht es also nicht in ihrem Garten, werden sie kaum eine Hummel in den Kasten locken können.

Hummeln suchen in Bodennähe nach dunklen Löchern.

 

Dies kann man ausnutzen:

Da ihr Nistkasten erhöht steht und die Hummel das Loch gar nicht entdeckt, ist es sinnvoll, eine schräg bis zum Loch ansteigende Platte an den Kasten zu lehnen.

Die Hummel fliegt dann knapp über dem Brett immer höher, bis sie das Loch entdeckt.

Eine andere Idee ist, den langen Gang eines unterirdischen Mäusenestes zu simulieren.

Dazu verbindet man das Einflugloch mit einem schwarzen Pumpenschlauch einer Teichpumpe (dann muss das Loch einen Durchmesser von 2,5 cm haben).

Der Schlauch ist max. 1 m lang, sein Ende ist mit Moos umrandet. Funktioniert!

 

 

Einsetzen

Eine nestsuchende Königin kann man (relativ leicht) an ihrem Zick-Zack Flug dicht über der Erde erkennen.

Immer wieder landet sie, untersucht dunkle Stellen und hebt wieder ab.

Sie interessiert sich nicht für Blumen!

Sobald sie gelandet ist, fängt man sie und bietet ihr den Nistkasten an.

Hierzu hat wohl jeder Hummelbegeisterte eine eigene wirkungsvolle Methode entwickelt.

Allen ist jedoch gemeinsam, dass die Hummel auf keinen Fall nervös gemacht oder gereizt werden darf.

Hier eine erprobte und erfolgreiche Methode: Sobald sich die Hummel gesetzt hat, fängt man sie mit einer vorne abgesägten, also offenen, großen und mit Pappe (oder Isolierschlauch) ummantelten Spritze.

Die Spritze wird an das Einflugloch gesetzt und langsam der Stempel gedrückt.

Machen sie sich vorher eine Markierung außen am Stempel, wie weit sie drücken können.

Ähnlich wie eine Spritze lässt sich auch eine Pappröhre einsetzen, die an beiden Seiten mit den Händen zugehalten wird.

Man hört und spürt dann das Hineinkrabbeln der Hummel.

Spritze und Isolierschlauch von Heizungsrohren.

Er passt genau auf die Spritze und dunkelt sie ab.

Das Einflugloch wird nach dem Einsetzen noch etwa 30 s zugehalten, dann sofort mit etwas Moos verschlossen.

Dabei muss sehr schnell gearbeitet werden, da kein Licht in den Kasten einfallen soll.

Letztlich soll die Hummel motiviert werden, wirklich in den Nistkasten zu laufen und ihn zu inspizieren.

Nach fünf Minuten entfernt man etwas das Moos.

Kommt die Hummel rasch heraus und fliegt zielstrebig weg, hat sie den Kasten nicht angenommen.

Andernfalls bleibt sie etwas länger und führt einen typischen Orientierungsflug durch.

Dabei pendelt sie im Flug zuerst direkt vor dem Loch, dann immer weiter davon entfernt hin und her oder dreht später Kreise um den Kasten.

Das ist ein sehr sicheres Zeichen für eine Besiedlung.

Das Fangen der Königin wird etwas erleichtert, wenn man die Königin anlockt.

Dazu rammt man einen Besenstiel in den Boden und schafft dadurch Löcher, in die die Hummel sofort hineinkrabbelt.

In der Zwischenzeit kann man die Spritze über das Loch halten, warten bis die Hummel hineingekrabbelt ist und dann die Spritze mit der Hand verschließen.

 

Häufige Fehler

Die Hummel sucht gar nicht nach einem Nest:

Hummeln, die an Blüten gefangen werden, sammeln für die eigene Brut und haben schon ein Nest geründet.

Sie nehmen den Kasten nicht an – egal, wie schön er ist.

Versuchen sie es gar nicht erst.

Die Hummelkönigin muss in der direkten Nachbarschaft gefangen worden sein.

Langes Gefangenhalten ist nicht nur mit dem Schutzgedanken nicht zu rechtfertigen, sondern macht die Hummel auch so nervös, dass sie den Kasten nicht mehr annimmt.

Sie müssen rasch arbeiten.

 

Das Hummeljahr

Während im Winter eisige Stürme toben und der Schnee die Landschaft zudeckt, verschlafen die Hummelköniginnen die kalte Zeit geschützt in der Erde.

Erst die warmen Strahlen der Frühlingssonne erwecken die Lebensgeister der Insekten und locken sie aus dem Winterversteck.

Je nach Art kann dies zwischen Anfang März und Anfang Juli liegen.

Nach langem Winterschlaf muss sich die Hummelkönigin erst einmal an den ersten Frühlingsblüten mit Energie aus frischem Blütennektar versorgen.

Danach beginnt sie, nach einem geeigneten Platz für ein Nest Ausschau zu halten.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es ausschließlich Königinnen!

Alle anderen Hummeln, also die Arbeiterinnen und Drohnen, sind im Herbst gestorben.

Auf sich allein gestellt, beginnt die Königin also ein neues Nest zu gründen.

Dazu inspiziert sie verlassene Mäusehöhlen, aber auch alte Vogelnester, Baumhöhlen usw., bis sie einen geeigneten, geschützten und trockenen Platz gefunden hat.

Material wie Laub, Moos oder Tierhaare, das sich vom Vormieter noch dort befindet, wird zerbissen und zu einer 3-4 cm großen Kugel verflochten.

Feuchtes Material wird zuvor von der Königin durch ihre Körperwärme getrocknet!

Hummeln sind in der Lage, ihre Flügel von den Muskeln „abzukoppeln“ und die Flügelmuskulatur sozusagen im Leerlauf arbeiten zu lassen.

Dadurch entsteht Wärme, mit der feuchtes Material getrocknet und das Nest an kalten Tagen gewärmt wird.

Ist das Nest fertig, beginnt das Insekt, einen Vorratsbehälter aus Wachs zu basteln, der anschließend mit Honig und Blütenpollen gefüllt wird.

Außerdem wir die erste Hummelwabe, ein kleines rundes Tönnchen gebaut und mit Blütenpollen gefüllt.

Nach 2-4 Tagen ist diese Arbeit erledigt, die Königin legt in die Wabe 5-15 Eier und verschließt sie mit Wachs.

Die Wabe mit den Eiern wird anschließend von der Königin „bebrütet“, d.h. durch „Leerlauf“ der Flügelmuskulatur erwärmt.

In dieser Zeit verlässt die Königin das Nest nur für wenige Minuten am Tag.

Sie ernährt sich nun von dem zuvor angesammelten Honigvorrat.

Nach 5 Tagen ist es dann soweit, aus den Eiern schlüpfen die ersten Larven, die sich nach weiteren 8 Tagen verpuppen.

Während der Verwandlung der Larve in eine Hummel entsteht in den Kokons Wärme, die wiederum hilft, neue Eier zu bebrüten.

Nach weiteren 10 Tagen schlüpfen aus den Kokons die ersten Arbeiterinnen, die bereits nach 2 weiteren Tagen trocken und zum Arbeitseinsatz bereit sind.

Also erst nach etwa 4 Wochen hat die Königin erste Arbeitskräfte.

Bis dahin muss sie alles alleine erledigen!

Die ersten Tage kümmern sich die neuen Arbeiterinnen erst noch um die neue Brut, anschließend fliegen sie aus, um Honig und Pollen zu sammeln.

(Zum Vergleich: Honigbienen fliegen erstmals nach 3 Wochen aus!).

Der erste Schlupf bringt ca. 5-10 Arbeiterinnen, der Zweite bereits ca. 15-20, der Dritte 30 usw., bis ein Volk voll entwickelt ist und je nach Art 50-600 Insekten umfasst.

Im Hochsommer, wenn das Volk seine größte Stärke erreicht hat, werden Drohnen geboren, also männliche Hummeln sowie junge Königinnen.

Im Herbst beginnt dann das Volk langsam zu sterben, da die Altkönigin aufhört, neue Eier zu legen.

Drohnen und Jungköniginnen fliegen zum Hochzeitsflug aus und kehren nicht wieder zurück.

Nach dem Hochzeitflug fressen sich die Prinzessinnen einen „Winterspeck“ an und füllen ihren Magen randvoll mit Honig, um sich anschließend in den Winterschlaf zu begeben.

Das alte Nest ist nun ausgestorben und verlassen, die Arbeiterinnen und Drohnen sind tot.

Auch die Altkönigin stirbt, nachdem sie etwa 12 Monate gelebt hat.

Der Winter zieht ins Land, bis erneut die Frühlingssonne eine verschlafene Hummelprinzessin aus dem Winterquartier lockt.

Ein neuer Zyklus beginnt …

 

 

Quelle Bild: Wikipedia